Endlich ist es soweit. Lange habe ich mit dem Gedanken gespielt, meinen „Fuhrpark“ an Technik-Gadgets um einen 3D-Drucker zu erweitern. Als Smart-Home-Enthusiast juckt es einem natürlich ständig in den Fingern, Gehäuse für Sensoren, Halterungen für das Werkzeug oder einfach praktische Alltagshelfer selbst zu produzieren. Im November 2025 war es dann soweit: Ein Deal direkt bei Bambu Lab hat mich überzeugt, den Bambu Lab P1S inklusive AMS (Automatic Material System) zu bestellen.
In diesem Beitrag nehme ich euch mit auf meine Reise – von der Bestellung und dem Zubehör über den ersten (fast) perfekten Druck bis hin zur Integration in Home Assistant. Spoiler: Die Lernkurve ist steil, aber die Suchtgefahr auf Makerworld ist noch viel größer.
Die Einkaufsliste: Mehr als nur der Drucker
Der Deal im November war verlockend, aber ich wusste bereits vorher, dass das Hauptgerät meistens nur die halbe Miete ist. Also landete nicht nur der P1S Combo (Drucker + AMS) im Warenkorb, sondern direkt noch ein Filament-Set, um für die ersten Experimente gerüstet zu sein.
Da ich plane, später auch abrasivere Materialien (wie Carbon-verstärkte Filamente) zu drucken, habe ich mir vorausschauend gleich das gehärtete Hotend dazu bestellt. Das ist ein Upgrade, das ich jedem empfehlen kann, der langfristig Ruhe haben möchte.
Zusätzlich musste Amazon herhalten. Zwei Dinge sind beim 3D-Druck essenziell, die nicht im Lieferumfang enthalten sind:
-
Silica Gel Kügelchen: Das AMS ist zwar abgedichtet, aber Filament mag keine Feuchtigkeit. Die Kügelchen halten alles schön trocken.
-
Sprühflasche Isopropanol: Ein sauberes Druckbett ist der Schlüssel zur Haftung. Fingerabdrücke sind der natürliche Feind der ersten Schicht.
Aufbau und Inbetriebnahme: Lauter als gedacht?
Nachdem der Paket-Bote das Paket (oder besser gesagt: das riesige Paket) abgeliefert hatte, ging es direkt in den Keller. Dort hatte ich bereits Platz freigeräumt. Als Smart-Home-Nutzer ist der Keller für mich der ideale Ort: konstante Bedingungen und der Lärm stört niemanden im Wohnbereich.
Der Aufbau selbst war erfrischend unkompliziert. Bambu Lab hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet – das ist kein Bastel-Kit aus dem Jahr 2015, sondern ein durchdachtes Produkt. Die Inbetriebnahme über die App lief fast von selbst.
Ein Moment ließ mich jedoch kurz stutzen: Während der Kalibrierung (Vibrationskompensation und Motor-Noise-Cancelling) machte der P1S Geräusche, als würde er gleich abheben. Ein wildes Rütteln und Singen der Motoren. Ich war kurz davor, den Support zu kontaktieren, habe mich aber erst bei zwei Arbeitskollegen erkundigt, die ebenfalls einen P1S besitzen. Ihre Antwort: „Vollkommen normal, der muss so klingen.“ Beruhigend, aber definitiv nichts, was man nachts neben dem Schlafzimmer haben möchte.

Der erste Druck: Die Sache mit der Poop-Rutsche
Jeder Bambu Lab Besitzer kennt es: Der Drucker „poopt“. Bevor der Druck startet oder beim Farbwechsel, wird Filament hinten durch eine Rutsche ausgeworfen. Also war mein allererstes Projekt klar: Eine verbesserte Poop-Rutsche mit Auffangbehälter.
Ich startete den Druck mit dem beiliegenden grünen Filament (eine 250g Spule). Alles sah perfekt aus – bis kurz vor Schluss. Die 250g reichten nicht ganz aus. Das ist der Moment, in dem man das AMS zu schätzen lernt (oder flucht, wenn man nicht vorbereitet ist). Ich musste improvisieren und den kleinen Rest der Rutsche in Orange drucken. Jetzt habe ich ein Unikat im Keller stehen: Grün mit einem markanten orangen Abschluss. Nicht schön, aber selten – und es erfüllt seinen Zweck.

Lernkurve und Statistiken
Die ersten Tage waren intensiv. Die Lernkurve war steil, aber nie frustrierend. Ich habe schnell gelernt, dass man sich nicht blind auf Schätzungen verlassen sollte.
Zwar zeigt die Bambu Handy App die verbrauchte Menge an, aber bei Resten auf der Spule vertraue ich mittlerweile lieber meiner Küchenwaage, die seitdem neben dem Drucker stehen bleibt.
Ein kleiner Zwischenstand nach den ersten Wochen:
- Anzahl Drucke: > 25
- Fehlschläge: 1
- Erfolgsquote: > 96%
Der einzige Fehlschlag war ein Klassiker: Das Bauteil hat sich mitten im Druck vom Druckbett gelöst. Wahrscheinlich hatte ich beim Reinigen mit Isopropanol eine Stelle übersehen. Seitdem bin ich beim „Putzen“ der Platte noch gründlicher.
Was wurde gedruckt?
Mein Fokus liegt ganz klar auf funktionalen Teilen für mein Hobby und die Werkstatt:
- Diverse Halterungen für mein IKEA Skadis Board (endlich Ordnung beim Werkzeug!)
- Kabel-Management-Dosen (der Kabelsalat unter dem Schreibtisch musste weg)
- Diverse Kleinigkeiten und Helferlein für den Bambu Lab P1S bzw. das AMS
Ein Highlight waren zwei Fidget Spinner. Das war mein erster und bisher einziger Versuch mit echtem Mehrfarbdruck. Das Ergebnis ist qualitativ hervorragend, aber der Blick in den Abfallbehälter war ernüchternd. Der „Poop“-Berg war für so kleine Teile erschreckend hoch.
Mein Fazit dazu: Das AMS ist genial, aber bei zukünftigen Projekten werde ich genau abwägen, ob ich wirklich mehrfarbig drucken muss, oder ob ich Teile nicht lieber einzeln in verschiedenen Farben drucke und klebe/stecke. Der Materialverlust ist nicht zu unterschätzen.
Technische Daten: Bambu Lab P1S & AMS
Für die Technik-Interessierten unter euch, hier die harten Fakten, warum ich mich für genau dieses Modell entschieden habe:
- Bauraum: 256 x 256 x 256 mm
- Druckgeschwindigkeit: bis zu 500 mm/s
- Hotend: All-Metal, bis 300°C (gehärtet nachgerüstet)
- AMS (Automatic Material System): Platz für 4 Spulen, automatische Feuchtigkeitsüberwachung
- Elektrische Anforderungen: 100-240 VAC, 50-60 Hz, 1000 W bei 220 V
- Besonderheiten: Geschlossener Bauraum, Aktivkohlefilter, Kameraüberwachung
Besonders der geschlossene Bauraum war mir wichtig, da im Keller die Temperaturen schwanken können und ich zukünftig auch ABS oder ASA drucken möchte, ohne dass sich die Bauteile verziehen (Warping).
Makerworld: Das Doom-Scrolling der Maker
Ich muss ein Geständnis ablegen. Es gibt eine neue App, die meine Bildschirmzeit am Abend dominiert. Statt Social Media scrolle ich jetzt per Chrome Browser durch Makerworld. Es ist faszinierend, was die Community erstellt. Meine Favoriten-Liste wächst schneller, als ich drucken kann. Das „Doom Scrolling“ hat hier eine ganz neue, produktive Bedeutung bekommen. Man sieht ein Projekt und denkt sofort: „Das brauche ich auch!“ oder „Das könnte man doch für das Smart-Home anpassen…“.
Smart-Home Integration: Home Assistant & Akku-Drain
Als Home Assistant Nutzer war natürlich klar: Der Drucker muss ins System. Aktuell nutze ich den P1S fast ausschließlich über die Bambu Handy App. Allerdings habe ich festgestellt, dass die App bei aktiver Kameraüberwachung extrem am Akku meines Google Pixel 8 saugt.
Die Lösung? Home Assistant. Ich habe die Bambu Lab Integration in Home Assistant eingerichtet. Das hat meinen Workflow massiv verbessert:
-
Starten: Ich slice und starte den Druck über die Handy App.
-
Überwachen: Sobald der Druck läuft, schließe ich die App. Die Überwachung (Kamera-Stream, Restzeit, Status) läuft über mein Home Assistant Dashboard.
-
Benachrichtigung: Ist der Druck fertig, sendet mir Home Assistant eine Push-Nachricht.
So schone ich den Akku meines Smartphones und habe alle Daten zentral in meinem Dashboard.
Software und Linux: Ein Ausblick
Auf meiner To-Do-Liste steht noch ein Punkt offen: Bambu Studio auf meinem Lenovo Ideapad Duet 5. Da es sich hierbei um ein Chromebook handelt, auf dem ich die Linux-Umgebung nutze, werde ich auf das Flatpak-Paket zurückgreifen müssen.
Bisher habe ich aber noch nicht die absolute Notwendigkeit gesehen. Die Kombination aus Makerworld (wo man Profile direkt an den Drucker senden kann) und der Handy App deckt 95% meiner aktuellen Bedürfnisse ab. Sobald ich aber anfangen werde, eigene komplexe CAD-Modelle zu entwerfen oder sehr spezifische Slicing-Einstellungen vornehmen muss, wird das Lenovo ran müssen. Ich werde berichten, wie gut das Flatpak unter Linux performt.
Fazit: Lohnt sich die Investition?
Die Kosten für das Gesamtpaket lagen im Bereich von 600€ bis 700€. Das ist viel Geld für ein Hobby-Gerät. Aber: Es hat sich gelohnt.
Ich bin mit dem Kauf extrem zufrieden. Wer, wie ich, mit dem Kauf eines 3D-Druckers liebäugelt, dem kann ich Bambu Lab wärmstens empfehlen. Die Geräte sind unglaublich nutzerfreundlich. Man muss kein Experte für G-Code oder Mechanik sein, um tolle Ergebnisse zu erzielen. Es gilt: Auspacken, hinstellen, drucken.
Der P1S ist für mich die perfekte Ergänzung zu meinem Smart-Home Hobby. Endlich kann ich für meine Sensoren und Basteleien passgenaue Gehäuse fertigen.
Hast du noch Fragen?
Hast du noch Fragen zu diesem Beitrag? Dann ab damit in die Kommentare oder schreib mich über Mastodon an.
Dies könnte dich auch interessieren…
Du möchtest weitere Inhalte von mir lesen? Schau doch mal hier: Jahresrückblick 2025






